Am Ende der Ferien stehen drei „Edelroller“ auf dem Kelch
- endlich wurde der schwerste Gipfel des Zittauer Gebirges eingesackt
- PSV Zittau Abt. KG Edelroller
Der langanhaltende warme und trockene Sommer neigt sich langsam dem Ende entgegen. Was für die Einen unerträglich wird, ist für Felskletterer ein wahres Paradies: warme Abendstunden, kein Wind, trockene und duftende Felsen. Was will man mehr. Da schlägt das Kletterherz gleich um ein Vielfaches höher. Bei solchen guten und gleichbleibenden Bedingungen können natürlich auch viele Klettermeter absolviert werden. Viele Wege, viele Gipfel bringen viel Sicherheit und somit einen guten Trainingszustand. Und den sollte man auch haben, wenn man sich den Kelchstein in Oybin vornimmt. Er ist nicht zu hoch. Er ist nicht super, extrem schwer. Es sind auch nicht zu viele Schritte bis zu Gipfel. Aber am Ende ist er um ein Vielfaches schwerer, als man es sich vorstellen kann.
Für heute, am Freitag hatten sich Thomas Richter, Franz Heinrich und Anton Völkel am Kelch verabredet, um den Alten Weg (VII c) zu durchsteigen. Thomas, unser Sektionsleiter der KG Edelroller, hat bereits alle Wege auf den Kelch durchstiegen. Für Anton und Franz sollte es heute der erste Aufstieg werden. Die letzten Wochen waren klettertechnisch eine sehr gute Vorbereitungszeit, mit Berg Oybin, Jonsdorfer Mönch, Emporturm, Bienenhaidstein und Kelchsteinwächter. Aber die Anspannung und den Respekt vor dem Kelch konnte man den Beiden schon ansehen.
Thomas besichtigte kurz noch einmal seinen zu steigenden Weg „Die Variante zum neuen Weg“ (VII c). Sehr sicher und dynamisch machte er Zug um Zug. Schild, Alter Fichtel, tief klemmen, Füße gut setzen, Ring. Vom Ring ging es nach rechts in die Rinne. Dort muss man gut antreten, sich nach rechts orientieren, um ein Fingerloch zu erreichen. Dann links haltend auf Reibung zum Gipfel. Klingt alles ganz einfach. Aber Respekt vor der Leistung.
Nun waren die Burschen dran. Franz stand als Erster am Einstieg. Thomas gab das Zeichen. Und los ging es. Bis zum Schild und dem „Alten Fichtel“ (jetzt neuer Ring) ging es ganz gut. Doch der stete, starke Überhang und das ständige Heranziehen, machen dicke Unterarme. Dann kommt der Riss mit den tief klemmenden Händen. Dort hatte sich Franz etwas fest gestiegen und musste eine Pause einlegen, um seine Arme zu entlasten. Aber er kämpfte erneut, mehrmals, gegen den Fels. Riss klemmen und mit den Beinen nachsteigen. Er schnaufte lautstark und kämpfte sich nach oben. Dann war er am Ring. Pause. Arme ausschütteln, die verdammt fest gegangen waren. Nach einer Weile ging es weiter zur Rinne, sehr gut antreten, Druck mit den Händen nach außen geben, weiter oben rechts das Fingerloch finden und dann zum Gipfel durchsteigen, wo ihn Thomas schon erwartete.
Unten stand Anton und wartete bereits auf seinen Einsatz. Thomas gab das Kommando. Und schon versuchte Anton über die ersten, sehr schmierigen Klettermeter zu kommen. Sein erstes Ziel war, das Schild zu erreichen, was ihm auch gut gelang. Dann ging es weiter bis zum „Alten Fichtel“. Auch er musste an dieser Stelle eine kurze Pause einlegen, um sich nun den bevorstehenden anspruchsvollsten Teil des Aufstieges noch einmal von der Nähe zu betrachten. Lange wartete er nicht, um tief im Riss zu klemmen. Er stieg zügig höher und erreichte den an dieser Stelle erlösenden Griff (Einhängegriff), den Franz vorher verfehlte. Damit war die Stelle entschärft und er stand sicher und somit bereits am Ring. Prima. Nun ging es weiter zur Rinne, wo sich Anton erst mal vornüber hineinlegte, um seine Arme etwas auszuschütteln und zu lockern. Dann ging es mit gutem Antritt in die Rinne für ihn zügig zum Gipfel. Ein “Berg Heil“ an unsere drei Edelroller.
Der Beifall von Katja, Charlotte und Volker war ihnen von unten her gewiss.
Damit erfüllte sich wieder ein Wunsch unserer zwei Burschen. Endlich auf dem Kelch.
Wir sagen nochmal Danke an Thomas für den gelungenen Vorstieg.
Eine Anmerkung habe ich aber dennoch. Der Kelch bleibt unbestritten ein kleines Naturwunder und sollte so lange wie möglich erhalten bleiben. Aber es sollte auch Niemand mehr unnötig bei der Ausübung seiner sportlichen Betätigungen und der respektvollen Besteigung solcher Felswunder zu Schaden kommen müssen. Deshalb sollte bei diesem Weg auf jeden Fall noch ein Ring in der Rinne gesetzt werden, damit sich der Weg oben hinaus entschärft. Wer dort als Vorsteiger abrutscht oder sich einen moralischen Fehltritt leistet (bei feuchter, moosiger Rinne z.B.), der schlägt ein mörderisches Rad und verletzt sich unweigerlich. Dafür gibt es aber gar keine Rechtfertigung mehr. Überall hat sich in den letzten Jahrzehnten die Sicherheit für die Sportler in ihren Sportarten erhöht und wurde standardisiert.
Wir fahren auch keine Autos, Motorräder oder Bobschlitten im Rennsport mehr aus den 40ziger Jahren. Wir springen auch nicht mehr mit dem Material und nach Anforderungen der 40iger Jahre von den Sprungschanzen. (usw.) Alles hat sich modernisiert und ist um ein Vielfaches sicherer geworden. Nur in der Felskletterei halten noch ein paar Hardliner (Gestrige) an ihrem völlig veralteten Regelwerk fest. Und das ist mehr als bedenklich und verantwortungslos in der heutigen Zeit.
Berg Heil V. Heinrich August 2026
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